Fluchtgefahr!

 

Immer wieder hört und liest man von Nattern, welche ohne direkte Zustimmung ihres Halters die ihnen zugeteilten Terrarien oder Behälter verlassen, um die Umgebung zu erkunden oder sich auf eigene 'Faust' ein neues Revier zu suchen. Und auch wenn ich bei der Übergabe von Jungtieren an ihre neuen Halter immer ausdrücklich darauf hinweise, das Transportbehälter (was ja meist noch in meiner Hand liegt) oder künftiges Terrarium wirklich dicht abschließen müssen, ist es in der Vergangenheit trotzdem zu Ausbrüchen gekommen, nicht nur bei den Übernehmenden - auch bei mir selbst!

Das Schlangen ganz offenbar verständnisfrei für das sichere Leben fernab ihrer natürlichen Biotope in unseren Wohnumgebungen sind, muss man als Halter eben einfach hinnehmen. Trösten tut wohl auch niemanden die Tatsache, das alle Schlangen dem Versuch fortan 'auf eigenen Beinen stehen' zu wollen nicht widerstehen können; so stehen neben den Strumpfbandnattern auch Königs- oder Kornnattern in dem Ruf, geschickte und raffinierte kleine Houdini's zu sein.

Ich möchte an dieser Stelle einmal meine bisherigen Schreckmomente mit ausgebrochenen Schlangen niederschreiben. Vielleicht bringt dies ja die Leserin, den Leser und schließlich auch mich selbst dazu, künftig noch genauer auf korrekten Verschluss von Transportbehältern oder Terrarien zu achten, also los geht's:

Teil 1 - Wie schaffen die das nur?

Fluchtbox Foto 2Im März 2003 erwarb ich zwei noch recht kleine und schlanke Rotseitige Strumpfbandnattern (T. sirtalis parietalis), welche ich Gudrun und Klaus taufte. Ich brachte die beiden circa 30 cm langen Schlangen in einer sogenannten Faunabox größeren Ausmaßes unter, hier sollten die beiden die ersten Wochen leben, damit ich eine bessere Übersicht hinsichtlich aufgenommenem Futter, Aktivität und Sauberkeit des mit Küchenpapier ausgelegten Behälters haben würde. Was die Fütterungen und die Sauberkeit anging, gab's auch nie Probleme; und eigentlich stimmte in Sachen Aktivität auch soweit alles. Bedauerlicher Weise wurden die beiden Strippen (wie ich sie im Sammelbegriff benannte) aber insbesondere kurz nach dem Erlöschen des Lichts noch einmal ganz besonders aktiv.

Diese spätabendlichen Aktivitäten äußersten sich über mehrere Tage darin, das mal die eine, mal die andere, meist aber beide Nattern regelmäßig am nächsten Morgen nicht mehr in ihrer Faunabox zu finden waren! Nun, ich hatte Glück, denn das angestrebte Ziel in meinem Wohnzimmer fand sich jedes Mal unter der bis auf den Boden reichenden Gardine - direkt vor dem Heizkörper. Ich trat also siegesgewiss zur Gardine, wackelte etwas daran - und schon schlängelten die beiden Strippen aufgeregt Richtung Zimmermitte.

Ich begutachtete die Faunabox von allen Seiten (oben, unten, links, rechts...) und kam einfach von selbst nicht drauf, welchen der nicht zu ersehenden Spalte die beiden Strippen nun als Sprungbrett für ihre abendlichen oder nächtlichen Ausflüge nutzen könnten. Ich lauerte natürlich auch Stunde um Stunde vor der verschlossenen und bewohnten Box; immer in der Hoffnung, das die beiden mir mal zeigen würden, wo's denn nun rausgeht. Aber sie lieferten mir diese Erklärung einfach nicht, solange ich vor der Box wartete, guckten sie einfach kess zurück! Ich muste also damit beginnen, die Box selbst auf Verdacht abzudichten. Ich umklebte die Anschlüsse von Box und Deckel mit Klebeband, klemmte Küchenpapier in voller Lage dazwischen - Resultat: Einmal selbst eingeschlafen, so lagen sie wieder unter der Gardine! Es war zum Verrücktwerden, und ich begann mich zu fragen, ob das nun ab sofort mein Leben sein sollte?!

Fluchtbox Foto 3Schon fast am Rande der Ideenlosigkeit stülpte ich den Deckel der Box schließlich in eine extra dafür gekaufte Feinstrumpfhose (wie passend bei meinen Strumpfbandnattern). So albern das klingt - aber die Ausbrüche blieben plötzlich aus und schließlich erwischte ich Gudrun dabei, wie sie immer wieder mit ihrer kleinen Schauze Richtung der zwei runden Öffnungen am Rand der Box stubste - ohne weiterzukommen selbstverständlich. Tja, ab diesem Moment fokkussierten sich meine Bemühungen ausschließlich darauf, diese beiden (vorher völlig ignorierten) Löcher zu stopfen. Das war leicht getan - einfach ein Stück zusammengerollte Pappe fest eingeklemmt - und schon hatten beide Nattern auch ohne Strumpfhose keine Chance mehr ihren Behälter zu verlassen.

Teil 2 - Eine aufregende Autofahrt

Der Titel dieses Berichts klingt ein wenig überzogen, denn die betreffende Autofahrt zur 'Tatzeit' an sich war keineswegs außergewöhnlich. Aufregend wurde es erst, als ich im Sommer 2001 nach vielleicht vierstündiger Fahrt endlich zu Hause angekommen, die gerade in der Nähe von Kiel erworbenen 3 erst 14 Tage alten Östlichen Strumpfbandnattern (T. sirtalis sirtalis) aus ihrer winzigen Transport-(Fauna)-Box in ein schnell hergerichtetes Aufzuchtsbecken umzusetzen gedachte. Draußen war es am frühen Morgen schon wieder hell geworden und ich war hundemüde, also sollte das jetzt alles ganz schnell gehen. Ich fing die erste Natter aus dem Holsteiner Land, dann die zweite und dann war ich plötzlich doch wieder richtig wach! Hatte ich schon drei Tiere umgesetzt, konnte ich nicht mehr bis Drei zählen?

Kein Schreck - ein Schock! Im Aufzuchtsbecken saßen nur zwei, in der Box saß nichts mehr. Ich fing an das Wohnzimmer abzusuchen - vielleicht war Natter Nr. 03 ja während eines unbedachten Moments aus der Box geschlüpft und wartete schon unter dem kleinen Schrank, auf welchen ich das Aufzuchtsbecken gestellt hatte. auf mich? Fehlanzeige! Mir schlug das Herz bis zum Hals. Hatte die Lütte die Fahrt nach Berlin erst gar nicht angetreten, weil sie schon bei ihren Vorbesitzern entwichen war? Hatte sie sich während der Fahrt einen Weg aus der kleinen Box gesucht?

Ich musterte diese kleine Faunabox - da waren keine runden Löcher (soviel hatte ich ja schon gelernt...). Wie sollte die vielleicht gerade mal 20 cm lange Natter hier herausgekommen sein - ich fragte mich das immer und immer wieder. Das Auto suchte ich ab (ich suchte sogar die Umgebung des Autos ab) - wieder nichts! Ich kriegte es wirklich mit der Angst zu tun, bat die Verkäufer bei sich auch noch einmal zu suchen und konnte den gesamten Sonntag an nichts anderes als das nun sicherlich sehr schwere Schicksal dieser kleinen Schlange denken. Wer so etwas schon einmal erlebt hat, wird vielleicht auch festgestellt haben, das man wie selbstverständlich sich selbst die Schuld gibt - und zwar ohne Ausflüchte. Hätte...hätte...hätte (ich die Box vor dem Losfahren bloß noch einmal kontrolliert, selbst eine Box mitgenommen usw.).

Es wurde Montag und Natter Nr. 03 hatte sich noch immer nicht angefunden. So ein bisschen hatte ich schon damit angefangen mich mit der ganzen Geschichte abzufinden, aber die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt; und so packte ich zwar ohne viel Hoffnung, aber man weiß es ja eben auch nie, eine kleine, wirklich zu 100% verschlußsichere Box (dieses Mal nichts aus dem Zoohandel, sondern eine Alternative aus dem Baumarkt) mit ein, fuhr zur Arbeit und konnte kaum abwarten, das Auto nach dem Einparken gleich nochmals abzusuchen. Vielleicht würde die irgendwie ja immer etwas ruckelige Autofahrt letztendlich Nr. 03 zum Aufgeben und Wieder-Auftauchen ermutigen (vorausgesetzt, sie war jemals oder immer noch im Auto).

Fluchtbox Foto 1Herrje, mein Plan ging auf! Kaum war ich einmal ums Auto geschlichen und hatte die Beifahrertür geöffnet, da 'grinste' mich die kleine Ausreißerin keck von der Fußmatte des Beifahrers an. Ich packte einfach nur noch beherzt zu und stültpe sie sofort in die Baumarkt-Box, währenddessen ich wieder an aufgeregtem, dieses Mal aber vor lauter Glück und Erleichterung hervorgerufenen Herzgeklopfe, litt. Den Test, durch welchen Spalt der kleinen Box das Nattern-Fräulein nun vielleicht entwichen war, ersparte ich mir und ihr, denn nachdem wir nun wieder beisammen waren, erhärtete sich der aufkeimende Verdacht, das Nr. 03 den auf dem Foto (mit der roten Box) beim Zollstockmaß 103-104 gelegenden rechteckigen Spalt zum Ausstieg genutzt hatte.

Teil 3 - Ein Mißgeschick und doppelt dazu gelernt

Im Sommer 2002 durfte ich mich stolz an der ersten Nachzucht in meinem Bestand erfreuen. Mein Westliches Bändernattern-Weibchen Tippse (T. proximus proximus) hatte, kaum das ich am Wochenende mal verreist war, einige Jungtiere abgesetzt und nun begann die für mich sehr spannende und aufregende Zeit der Aufzucht von Jungtieren ab dem Tag der Geburt. Und schon drei Tage nach der Geburt bekam ich sogleich den ersten Dämpfer verpasst. Während ich die Jungtiere nach Reinigung ihres Aufzuchtbeckens umsetzte, entwischte mir eines! Nunja - ich blieb erst einmal ruhig, war mir doch am Tag der Feststellung der Geburt gerade schon eines der Kleinen aus diesem Wurf über die Couch unter die Stereoanlage gehüpft.

Aber dieses Mal lagen die Dinge anders - ich war zu langsam! Das wendige kleine Bändernattern-Jungtier war in Sekundenschnelle unter einem Regal verschwunden, und verschwunden blieb es denn auch. Ich durchsuchte die ganze Wohnung und nach zwei oder drei Stunden hatte ich nach immer noch erfolgloser Suche die Faxen dicke. War doch bislang immer alles im Endeffekt doch noch gut ausgegangen, konnte ich jetzt nur hoffen, das mir die kleine Natter irgendwie doch wahrscheinlich eher zufällig über den Weg krauchen würde.

Am nächsten Morgen betrat ich das Wohnzimmer (welches offenbar der zentrale Schauplatz für verschwundene Schlangen in meiner Wohnung zu sein scheint, selbst wenn sie - wie die kleine Bändernatter - dort garnicht untergebracht waren). Vor lauter Übellaunigkeit hatte ich am Abend zuvor meine auszusortieren Zeitschriften einfach auf dem Boden liegen gelassen und auch zwei Pappröhren (Babyschlangenverstecke) nicht in die dafür vorgesehene Kiste gepackt. (Man wird auch gleich immer etwas schlampig, wenn einem sowas passiert.) Nun, übellaunig war ich immer noch und so trat ich gegen eine der Pappröhren ... und Ihr könnt es Euch denken, oder? Die flotte kleine Bändernatter huschte blitzartig aus der Röhre, aber ich ließ ihr keine Chance wieder zu entwischen.

Das einem nun auch noch wegen Ungeschicklichkeit Tiere abhanden kommen könnten, brachte mich fortan dazu, sehr hektische Jungtiere nur noch in der zugestöpselten (aber ansonsten leeren) Badewanne aus ihren kleinen Aufzuchtsbecken zu fangen und wieder zurückzusetzen. Aber auch diese Methode musste ich wohl noch verfeinern, denn kurz nach dem zuvor Erlebten durfte ich auch einmal direkt Zeuge bei einem Ausbruchsversuch werden. Dabei braucht man in diesem Fall eigentlich nicht von 'einem' Ausbruchsversuch reden - wäre er aufgrund meines gerade noch rechtzeitigen Erscheinens nicht fehlgeschlagen, hätte ich wohl mindestens 5 oder 6 Baby-Bändernattern suchen müssen.

Ich hatte wie bei den letzten Reinigungen auch, auf Nummer Sicher gehend, das Aufzuchtsbecken der kleinen Bändernattern in die Badewanne gestellt und sie so erfolgreich in eine Faunabox (womit wir wieder beim Thema wären) umgesetzt. In der Badewanne konnte ich die Box nun gerade selbstverständlich nicht gebrauchen, denn ich wollte schließlich das kleine Becken ordentlich ausspülen. Also stelle ich in den Korridor einen Stuhl und die Faunabox oben drauf. Wer jetzt denkt, ich hätte vergessen die runden Löscher zu schließen - Fehlanzeige! Ich hatte auch daran gedacht und größere rechteckige Spalten gabs an dieser Box nicht. Die brauchte es aber auch gar nicht, denn die äußerst schlanken Bändernattern-Jungtiere hatten sich spontan gleich mal an den normalen Lüftungslöchern (oben) versucht und als ich wegen meines klingelnden Telefons in den Korridor trat, guckten mich direkt außerhalb der Box 5 oder 6 kleine süße Natternköpfchen an. Ich hatte großes Glück, alle Jungtiere waren noch da, aber vielleicht nur zwei Minuten länger ohne Beaufsichtigung und ich hätte wieder auf allen Vieren durch die Wohnung krabbeln können.

Seither bleiben die Boxen beim Putzen mit im Badezimmer. Ausserdem verwende ich für diese Zwecke nur noch hohe Boxen. Die flacheren Boxen kommen zum Füttern von adulten oder zumindest größeren Tieren zum Einsatz - was, wie hier später noch zu lesen sein wird, aber auch kräftig schiefgehen kann. Aber erst einmal geht es chronologisch weiter mit:

Teil 4 - Zuhause ist es eben doch am schönsten!

Von Faunaboxen, die nicht sicher für junge Strumpfbandnattern sind, habe ich ja nun schon mehrmals berichtet. Aber auch wenn alles richtig dicht ist und man gerade keine glitschigen Finger, durch welche eine kleine Natter rutschen könnte, hat, bleibt immer noch das Restrisiko 'Mensch'. So kam ich im Jahre 2003 eines Tages im Sommer nach Hause und begann ganz vorbildlich sogleich das Wasser in meinen Terrarien zu wechseln. Während ich so zum Becken meiner beiden Schwarznacken-Strumpfbandnattern-Männchen (T. cyrtopsis cyrtopsis) herüberschaute, begann ich mich zu wundern.

Irgend etwas war da anders, irgendwie stimmte ein 'Detail' nicht. Hmmm, aber was war falsch? Ich trat an das Terrarium heran; und noch bevor ich feststellte, das eine der Scheiben nicht geschlossen war, sah ich das eines der Männchen sich vor das Terrarium in den Bereich zwischen Lochblech und Glasboden gelegt hatte. Das war ja mal was, eine Natter die so kurz eitgentlich ja schon nach dem Ziel ihre Pläne wieder verwirft! Ich legte das überaus entspannte und brave Männchen wieder zu seinem Kumpel ins Becken und konnte immerhin für mich noch klären, wann ich vergessen hatte die Glasscheibe zu schließen: am Vortag hatte sich das betreffende Männchen gehäutet und ich hatte abends die abgestreifte Haut aus dem Terrarium entfernt. Somit hatte das Männchen also eigentlich fast 24 Stunden Zeit gehabt, sich aus dem Staub zu machen - und war doch dageblieben. Darauf könnte man ja fast stolz sein, oder?

Teil 5 - Die Musikliebhaberin

Eine weitere kurze Episode (also fast am Rande erzählt): Im Jahr 2004 verpackte ich für eine besprochene Übergabe auf einer Reptilienbörse früh morgens (so gegen 5:00 Uhr) einige meiner diesjährigen Nachzuchten der Küsten-Strumpfbandnatter (T. elegans terrestris). Die Verpackung bestand aus den auf Börsen üblichen Plastebehältern mit abnehmbarem Deckel. Die Jungtiere, welche wie es ich für diese Art gehört nach einigen Monaten Aufzucht schon eine beträchtliche Größe erreicht hatten, waren über diese frühe Störung weniger erfreut - aber das wieder nur am Rande.

Endlich hatte ich die widerwilligen Jungschlangen umgesetzt, als ich schon feststellte, das ich nun kein Klebeband (welches ich als zusätzliche Sicherung um diese Behälter klebe) bereitgelegt hatte. Nun ja, in einem geordneten Haushalt findet sich sowas natürlich genau da, wo man es zuletzt hingelegt hat, und so stand ich einen Moment später wieder vor den kleinen Behältern, von denen einer regelrecht gesprengt worden war (sprich: der Deckel befand sich gar nicht mehr drauf!). Eines der Weibchen hatte sich also spontan mit ihrer neuen Situation nicht abfinden wollen und den Behälter kurz entschlossen aufgedrückt.

Ich guckte mich im (naja wohl wohl..?) Wohnzimmer um: die Gardine - nichts, na sowas! Aber wo denn dann? Achja, die Stereoanlage - ein Schlangenmangnet könnte man ja fast glauben. Und siehe da, das mittlerweile noch mehr verstimmte Jungtier spielte 'Fang mich' mit mir. Immer wieder guckte sie einen Moment zwischen Fußboden und Verstärker hervor um sich sogleich wieder züngelnd nach hintenweg zu verabschieden. Ich machte kurzen Prozess, und schob den ganzen Kram ein Stück nach hinten und legte die Hand auf (die Schlange). Ich kann bis heute nicht fassen, das eine wenige Monate alte Natter es schafft diese absolut gebräuchlichen Behälter aufzudrücken, zumal ich mir manchmal ganz schön einen abfriemeln muss, um die Teile aufzubekommen. Aber wenn kleine Nattern das schaffen ... was könnten dann erst adulte Nattern alles so anstellen?

Teil 6 - Das offene Fenster

Ich überspringe das Jahr 2005 nun nicht direkt, aber die Erlebnisse '05 waren weniger spektakulär. Mein Santa-Cruz-Strumpfbandnattern-Männchen (T. atratus atratus) verließ vielleicht zwei mal sein Terrarium um dann doch wieder völlig der Hektik verfallen, sofort unter dem Regal hervorzukriechen und das gleiche Spiel lieferte mir ein T. cyrtopsis-Jungtier. Ansonsten verlief das Jahr 2005 ohne durch Schlangenflüchtlinge hervorgerufene Herzklopf-Anomalien.

T. s. sirtalis Bild 006Wir schreiben jetzt das Jahr 2006, und ganz konkret hatten wir gerade noch 06.05.2006. Zwei Tage vor dem 'Tag der Befreiung' hat eine der Nattern, über welche ich hier ja schon berichtet habe, es offenbar nicht mehr aushalten wollen. Vielleicht kann ich ihr auch zugestehen, das sie sich lediglich vertan hat? Mal sehen. Es ist also Sonntag und ich liege im Wohnzimmer (schon wieder) auf der Couch (auch schon wieder). Es ist unglaublich, aber nach Monaten der Vernachlässigung hat sich jemand gefunden, der das Biotop vor meinem Fenster mal mit dem Rasenmäher beackert. Ein großer Hund will offenbar auch mitmähen und bellt fröhlich und häufig lauthals die fleißige Gartenbiene an.

Ich (auf meiner Couch) telefoniere und beschwere mich noch, das man ja kaum sein eigenes Wort versteht bei diesem Lärm. Ich könnte auch das Fenster schließen, aber das bedeutet ja Aufstehen - will ich nicht, also höre ich mir das Geröhre und Gebelle parallel zu meinem Telefonat eben an. Auf dem Einbauschrank unter der Fensterfront stehen zwei Faunaboxen. Darin futtern ein Männchen bzw. ein Weibchen der Östlichen Strumpfbandnatter, das Weibchen ist übrigens die Holsteiner Frau Nr. 03 (das ist die mit der aufregenden Autofahrt vom Jahe 2001).

Genug geplaudert - ich beende das Telefonat und denk mir, das die Nattern auch genug Zeit gehabt haben sollten, um ihr Mahl zu verschlingen. Nun können sie wieder zurück in ihr Terrarium. Was soll ich sagen, die linke Faunabox ist offen - als ich das letzte Mal hingeschmult hatte, war sie noch zu und es war noch nicht gefressen worden. Jetzt ist die Box auf und eine Babyratte plus Natter Nr. 03 fehlen. Ich geh kaputt! Mein erster Gedanke: das offene Fenster! Hoffentlich nicht!

Also schließe ich das Fenster, nachdem ich mir das Fensterbrett genau angesehen habe und durchlaufe meinen üblichen Plan: Gardine - ist jetzt kürzer, hier kann sich keine Natter verbergen; Stereo-Anlage - habe ich umgeräumt, dort steht jetzt eine Lampe, welche nicht erklommen wurde. Also Couch, Bücherschrank und - mich überkommt das Grauen - die Einbauschränke an sich. Bevor ich mich diesen widme, werde ich aber erst einmal in den Garten rennen. Vielleicht sonnt Nr. 03 sich ja gerade auf der Kellertreppe. Bei der Gelegenheit frage ich mich, warum ausgerechnet heute das erste Mal seit Ewigkeiten der Rasen gemäht werden muss und dazu noch ein großer Hund als Verstärkung mitkommen muss.

Klarer Fall, im Garten finde ich nichts. Was weiß ich auch, wann Nr. 03 ggf. den Sprung gewagt hat? Immerhin ist der Gartenfrau nichts unters Auge (und wie sie meint) auch nicht in den Mäher gekommen ('zumindest nichts Ungewöhnliches' sind Ihre Worte). Wieder nach oben. Es ist aussichtslos, das weiß ich. Die Einbauschränke sind von vorn fest verblendet - von hinten nicht! Das ergäbe ja ein prima fast unterirdisches Lebensräumchen für eine wie ich vermute trächtige Natter (auch das noch, ich weiß....). Ich räume trotzdem, so weit ich komme, alles einmnal hin und einmal her, finde aber nichts (nicht mal Dinge die man verlegt zu haben glaubt).

Das einzige was mich leicht hoffen lässt, ist die Tatsache das die Wohnzimmertür die ganze Zeit über verschlossen war. Ansonsten hätte ich Katze und Kater wohl mal genau betrachten müssen. Wenn die Nattern in den Boxen fressen, müssen die beiden aber draußen bleiben, um ihren Showeinlagen per Tatzenklopfer an der Box nicht nachkmommen zu können. Ich bin hin- und hergerissen, das ist irgendwie das Gröbste, was mir in dieser Richtung bislang passiert ist bzw. passiert sein könnte, denn nach wie vor kann ich nicht ausschließen, das Nr. 03 sozusagen 'back to nature' gekrochen/gefallen ist.

Es hilft sowieso nichts; ich stelle eine Lampe, eine Wasserschale und eine flache Schale mit zwei Fischen ins Zimmer. Die Fische frisst sie zwar eher ungern, aber die duften ja einfach deutlich mehr als eine nackte Ratte. Zudem hatte sie vor ihrer Verabchiedung (von der ich nichts mitbekam) schliesslich gerade gefressen. Ich muss hier raus - ich ärgere mich so derartig über mich selbst. Und immer wieder die Frage, was soll aus Nr. 03 nur werden? Sie wird unter meinen Einbaumöbeln ja schließlich auch nicht glücklich, und ob es in der Nähe des Rasenmähers und des Hundes so sicher für sie ist...?

Stunden später bin ich wieder daheim. Natürlich schleiche ich sogleich ins Wohnzimmer, aber was hatte ich erwartet, das Nr. 03 die weniger beliebten Fische frisst oder die Wasserschale bis auf den letzten Tropfen leer trinkt? Naja, wenigstens das Versteck hätte sie sich ja mal zu Nutze machen können, aber bei den kollosalen Versteckmöglichkeiten unter den Möbeln - wohl kaum! Ich werde also alles noch einmal absuchen und vielleicht krieg ich wenigstens ihre Schwanzspitze zu sehen, dann wüsste ich wenigstens, das sie noch hier oben ist. Ich dreh mich, knispe das Licht an und ...

... da liegt sie, direkt auf dem Schrank unter dem Lichttaster. Mein erster Gedanke ist dieses Mal wirklich '...Du Luder...'! Muss ich noch mehr erzählen, außer das ich mich wie doll und verrückt freue, das diese verrückte 'Auf-Brecherin' wieder da ist (wo sie hingehört - nämlich in ihr Terrarium)?

Teil 7 - Was mir bislang erspart blieb

Ich glaube, nach meinem neuesten Erlebnis mit den Faunaboxen dieser Welt, wird mich in dieser Hinsicht auch nichts mehr überraschen können. Bei der mittlerweile beträchtlichen Anzahl an Tieren in meinem Zuhause, sieht man mir meine Fehltritte, welche ja glücklicher Weise immer harmonisch endeten, hoffentlich auch nach.

Ich durfte aber auch das Glück haben, einige Erlebnisse bilang nicht haben zu müssen. So ist es mir bisher gelungen, die Spalten zwischen den Glas-Schiebescheiben der Terrarien dicht genug zu halten, als das eine Natter ausgebüchst wäre - oder meine Nattern sind auf diesen Trichter einfach noch nicht gekommen..!?

Fatal erweisen sich auch manchmal vorgesehene Ausschnitte an Terrarienrückseiten für Heizkabel u.ä. - ich versuche diese gleich bei der Anschaffung der Becken nicht mitkaufen zu müssen und prüfe die wenigen die ich trotzdem habe, bei jeder Terrarium-Grundreinigung auf Festigkeit.

Auch das Zuschieben der Scheiben vergesse ich wohl eher selten, denn abgesehen von dem T. cyrtopsis Männchen, welches ja in diesem Sinne kaum als Ausbruchskünstler gelten kann, gab's da nur zwei weitere Vorfälle: eine männliche Bändernatter schaute mich ohne Scheibe und hoch aufgerichtet aus dem versteck heraus an, als ich mit der frisch befüllten Wasserschale wieder ans Terrarium trat und eines sommerlichen Abends glaubte ich einer optischen Täuchung unterlegen zu sein: ein T. sirtalis parietalis - Jungtier kroch scheinbar zwischen den seitlichen Glasscheiben der Aufzuchtsbecken einfach so hindurch. Dieses Rätsel konnte ich nach einem Moment des Staunens aber auflösen: eines von fünf Jungtieren hatte die offene Falltürscheibe (die heute noch klemmt) zum Ausstieg benutzt. Aber was sind das schon für harmlose Geschichten gegen einen befürchteten Abflug von meinem Fensterbrett!

 

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