Warum wollte Fredi plötzlich nicht mehr fressen?

T. m. marcianus Bild 004Da war die Vorfreude groß! Endlich sollte es soweit sein. Das bislang in Quarantäne gehaltene Weibchen meiner Thamnophis marcianus marcianus durfte nun endlich in das große Terrarium zum Männchen gesetzt werden. Nun sollten sich Fredi und Marcy kennenlernen.

Ganz besondere Erleichterung meines Herrchen-Daseins versprach ich mir auch davon, das Marcy sich im großen Terrarium hoffentlich nicht mehr so wild aufführen würde. Bislang hatte es gereicht, etwas schneller an ihr Quarantänebecken zu treten und sofort drängte sich einem die böse Ahnung auf, sie würde durch ihr nervöses Gezappel alles zum Einsturz bringen, so rumpelte sie durch das Plastebecken. Also durfte sie sich nach dem ersten Blickkontakt mit mir erst einmal wieder beruhigen, bevor ich zur Tat schritt und sie langsam und vorsichtig aus dem Plastebecken nahm. Was war ich doch überrascht, wie brav sie sich anstellte, keine Zappelei, keine Postpakete - alles funktionierte wunderbar!

Ich ließ sie in ihr neues Zuhause gleiten und beobachtete alles ganz genau. Marcy untersuchte natürlich jeden Winkel, inklusive dem Versteck in welchem sich Fredi niedergelassen hatte (er hielt es sofort für angebracht draußen zu warten...). Schließlich beschleunigte sie ein wenig und drehte ein paar Runden. Anschließend legte sie sich in Fredis Versteck und ward nicht mehr gesehen. Fredi hingegen suchte sich ein anderes Versteck aus. So, das wars schon? Etwas enttäuscht war ich ja nun doch.

In den nächsten zwei Tagen bekam ich die beiden kaum zu Gesicht, sie hatten die Verstecke getauscht, bzw. teilten sie sich sogar eins. Der Tag der ersten gemeinsamen Fütterung rückte immer näher. Ich hatte beide Tiere vor der Zusammenführung gut gefüttert, falls Probleme auftreten sollten. Ich stellte also das Futter (Stinte, Forelle, Babymäuse) wie gewöhnlich in einer kleinen Futterschale aus Stein ins Terrarium und wartete gespannt auf Reaktionen.

T. m. marcianus Bild 005Marcy ließ sich nicht sonderlich lange bitten. Sie bewegte sich "ruckartig" zur Futterschale und begann in aller Seelenruhe die Babymaus, die Forellenstückchen und einige Stinte zu verschlingen. Bei Fredi war mir schon vorher aufgefallen, das er eine vergleichsweise "lange Leitung" hat, wenn es darum geht am Futterplatz zu erscheinen...also übte ich mich in Geduld. Nach beinahe einer vollen Stunde, ließ ich die beiden erstmal alleine - vielleicht störte ich ja heute tatsächlich mal extrem mit meiner Neugier.

Als ich später nach dem restlichen Futter schaute, stellte ich fest, das Fredi sich nicht wie erwartet bedient hatte. Sollte das die Aufregung sein? Ich nahm ihn aus dem Terrarium und stellte sogleich erleichtert fest, das er mitten in der Häutung steckte, die Augen waren gerade noch etwas trübe, bald wäre das also überstanden. Und tatsächlich zwei Tage später lag sein Natternhemd komplett abgeworfen im Terrarium.

Nun unterstellte ich ihm natürlich schon, das er mittlerweile einen riesigen Hunger haben müßte, und sorgte deshalb für einige Stinte und eine Babymaus. So schnell konnte ich gar nicht gucken, da hatte Marcy sich bereits die Maus gegriffen - Fredi lag der Futterschale recht nahe und züngelte langsam, als wollte er jedes Detail aufnehmen. Schließlich näherte er sich der Futterschale und entnahm ihr einen Stint. Marcy schien das irgendwie nicht zu passen, denn sie schnappte sofort nach Fredis Beute. Tja, der kleine Mann erschrak sich sogleich und flüchtete Richtung Versteck, den Stint verlor er zwischendurch im Blumentopf.

Irgendwie fing ich mir an Sorgen zu machen um Fredi. Als er auch gute anderthalb Wochen später noch immer nichts gefressen hatte, setzte ich ihn in ein Quarantänebecken und stellte ihm einen durchsichtigen Becher mit Black Mollys und einige Stinte hinzu. Das Hilfsterrarium kam auf einen Küchenstuhl und ich postierte mich einige Meter davor. Fredi fing sogar gleich an die Stinte zu bezüngeln und näherte sich anschließend den lebendigen Fischen. Erleichterung überkam mich, als ich sah, wie er sich an die Jagd machte und anschließend auf dem Becherrand seine Beute verzehrte. Also ließ ich ihn in Ruhe.

Als ich nach ungefähr einer Stunde ins Quarantäneterrarium schaute, erkannte ich allerdings, das Fredi gar nichts gefangen oder gar gefressen hatte - ich zweifelte schon langsam an mir. Auch hatte er sich mittlerweile unter dem Küchenkrepp verkrochen . Das Interesse am Futter schien ihm vergangen zu sein. Was nun? Woran lag es? War er durch Marcys Anwesenheit zu sehr gestreßt? Das konnte ich mir nicht richtig vorstellen, schließlich machten die beiden einen recht harmonischen Eindruck, wenn man von der kleinen Panne bei der letzten gemeinsamen Fütterung absah. Ich setzte Fredi also wieder zurück in das große Terrarium. Am Abend lagen er und Marcy wieder brav unter der Steinplatte zusammengerollt nebeneinander.

Ich mußte erstmal selbst überlegen. Parasiten konnte er nicht haben, denn bevor ich die beiden zusammengesetzt hatte, wurden jeweils Kotproben untersucht. Er benahm sich ja auch nicht anders als sonst, war zutraulich und offensichtlich nachts im Terrarium viel unterwegs. Ich beschloß ihm eine letzte Chance zu geben, bevor ich mit ihm zum Tierarzt gehen würde.

Am nächsten Tag ergab sich eine sehr günstige Situation. Als ich von der Arbeit nach Hause kam, lag Fredi in der Nähe der leeren Futterschale, Marcy hatte sich am anderen Ende des Terrariums in den Boden gewühlt - also taute ich rasch einige Stinte auf, und legte sie an den gewohnten Futterplatz. Fredi züngelte ein paar Mal, näherte sich, schnappte zu, schlang und riß sein Maul ein paar auf, wie üblich! Das Problem war nur, das er gar nichts im Maul hatte - das ganze war so eine Art Fütterung ohne Futter, es sah wie Pantomine aus!

Na jetzt war ich aber geladen genug, ich guckte ihm noch einen Moment zu und bereitete sein Transportbehältnis für den Tierarztbesuch vor...und nach 20 Minuten ging es los!T. m. marcianus Bild 006
Die Diagnose hätte für mich nicht überraschender sein können, Fredi hatte sich das Maulinnere verletzt und somit bereits eine Entzündung im Maul. Er bekam eine Spritze und eine Tinktur. Die Ursache für diese Verletzung konnten wir leider nicht rekonstruieren. Vermutlich hat sich bei einer vorhergehenden Fütterung oder beim Versuch die Futterschale mitzufressen, einen Zahn ausgebrochen, was allgemeinhin nicht sonderlich problematisch wäre - hier nun aber doch war!

Nach drei Tagen bot ich den beiden erneut Futter an, und diesmal konnte ich beruhigt beobachten, das auch Fredi artig fraß. Mittlerweile hat er sich angewöhnt, Marcy immer den Vortritt zu lassen - wahrscheinlich macht es ihm besonderen Spaß, sie mitten in der Futteraufnahme wegzujagen! Sicherheitshalber benutze ich die alte Futterschale aus Stein nicht mehr, denn das Risiko, das er sich beim Rumbeißen auf dieser Schale verletzt hat, ist mir rückblickend gesehen einfach zu groß.

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