Knochenbruch ... Darmverschluß ... Einschläferung

Ende März 2003 stellte ich fest, das sich bei einem meiner 1,5 Jahre alten Thamnophis sirtalis sirtalis Männchen auffällige Huckel an einer Stelle im ersten Körperdrittel abzeichneten. Nahm ich zuerst noch an, das der 'Holsteiner Nr.01' (so hieß er) vielleicht einen kleineren Buchenspan mitgefressen hatte, welcher jetzt quersaß, mußte ich doch feststellen, das an den folgenden Tagen die Huckel kein Stück gewandert waren. Sobald ich vorsichtig die betreffende Stelle abtastete, hatte ich den Eindruck das Nr.01 zumindest unbehaglich zumute wurde und so nahm ich ihn am 28.03.2003 mit zum Tierarzt, um der Ursache auf den Grund zu gehen.

T. s. sirtalis Bild 048Nr.01 hatte bis dahin einwandfrei gefressen und mehr oder minder erfolgreiche (das wird sich erst noch herausstellen) Paarungsversuche mit der 4 jährigen melanistischen Shooter durchlebt.

In der Tierarztpraxis wurde Nr.01 geröngt und hierbei festgestellt, das sich seine Wirbelsäule an der erkennbaren Stelle perforierte. Das bedeutet, das Nr.01 durch eine Art mechanischen Stoß einen Bruch im Skelett mit anschließender Knocheninfektion erlitten hatte. Als Ursache kommt nur die Zeit wenige Wochen zuvor im Terrarium des Weibchens Shooter in Frage. Das melanistische Weibchen hatte anfänglich auf Annäherungen der Männchen sehr gereizt reagiert und war 'Hals über Kopf' geflüchtet, wobei sie selbst ein paar Mal panisch an die Terrarienscheiben stieß. Nun, entweder hat sie Nr.01 bei einer dieser Attacken sozusagen das Rückgrad gebrochen, oder sie ist auf ihn gefallen als er vielleicht gerade unter einem der Korkrindenstücke herumbuddelte oder quer auf dem Lochblech herumrutschte.

Der Tierarzt Dr. Mutschmann konnte mir hier in Sachen Heilung gar keine Hoffnungen machen. Nr.01 würde ggf. noch eine ganze Weile mit dieser Beeinträchtigung weiterleben. Früher oder später würden jedoch Skelett und Muskulatur so sehr gelähmt sein, das der kleine Nattern-Mann erst steif und dann eingehen würde.

T. s. sirtalis Bild 051Bis Mitte April 2003 fraß Nr.01 weiterhin gierig das angebotetene Futter und war ohne Beschränkung aktiv im Terrarium unterwegens. In den letzten Wochen jedoch nahm er deutlich weniger Futter auf und lag die meiste Zeit zusammengerollt in einer Ecke des Beckens. Am 05.05.2003 entnahm ich Nr.01 dem Terrarium um zu kontrollieren, ob sein Zustand sich verschlechtert hatte und mußte erschreckt feststellen, das die vom Tierarzt vorhergesagten Erkrankungsbilder schon eingetreten waren: Nr.01 war offenbar bereits jetzt nicht mehr in der Lage seine Verdauung ordnungsgemäß zu bewerkstelligen, denn circa 2 cm vor seiner Kloake hatte sich ein mindestens 3 cm langer und sehr umfangreicher Pfropfen gebildet. Dieser Propfen hatte durchaus den Umfang der Leibesmitte des Tieres, konnte also garnicht von mir übersehen werden.

Zur Zeit dieser Feststellung war die Tierarztpraxis schon geschlossen und so badete ich Nr.01 zuerst eine Weile in lauwarmem Wasser und setzte ihn anschließend in eine kärglich hergerichtete Faunabox. Dort legte er sich sofort wieder ins Wasser, hatte jedoch selbst am nächsten Morgen und Nachmittag den Propfen nicht absetzen können.
Zwischenzeitlich hatte ich dem Tierarzt eine eMail und ein Foto geschickt, auf welchem man den Propfen erkennen konnte. Die Frage war nun, ob er noch eine Chance sehen würde für Nr.01 bzw. wie er auf meine Anfrage hinsichtlich der 'Einschläferung' des Tieres entscheiden würde. Mit diesem Gedanken hatte ich mich ja schon bereits seit 6 Wochen beschäftigen müssen, denn ich wollte natürlich nicht, das sich Nr.01 neben den vermutlich starken Schmerzen noch eine weitere Erkrankung oder Infektion im Darmbereich zuziehen könnte und so noch mehr leiden würde.

T.Die Antwort vom Doktor hatte ich denn auch schon umgehend - und wie erwartet (etwas anderes konnte ich nach seinen vorhergehenden Erläuterungen gar nicht erwarten) schlug er vor das Tier jetzt einzuschläfern, da die Anzeichen für die fortschreitende Lähmung unübersehbar vorlagen. So wurde Nr.01 also am 06.05.2003 in der Tierarztpraxis per Injektion eingeschläfert.

Das Ganze ist schon sehr traurig, aber derartiges scheint leider garnicht so selten vorzukommen. Das Gefährliche an der Verletzung meines Nr.01'ers war jedoch, das die Perforation eben so weit im vorderen Körperbereich stattgefunden hatte. Hätte er sich die Verletzung im hinteren Körperabschnitt zugezogen, wären ihm vielleicht noch ein paar Jahre vergönnt gewesen, aber eben auch nur vielleicht...

Mancher mag sich fragen, warum ich diesen Aufwand betrieb und die Natter extra vom Tierarzt einschläfern ließ. Dazu kann ich nur sagen, das ich die regelmäßigen Diskussionen um 'Schlangen-Euthanasie im Heimbereich' furchtbar verantwortungslos finde (Erklärung siehe hier). Nachdem ich nun dem ersten Teil des Euthanisierens meiner Natter beigewohnt habe, bin ich mir recht sicher, das diese dem Tier keine weiteren Schmerzen bereitet hat. Nach der Spritze schlummerte Nr.01 ganz ruhig und ohne jede Zuckung weg. Der übrigen Prozedur habe ich nicht beigewohnt. Wer den Text unter dem o.g. Link gelesen hat, kann sich sicherlich vorstellen warum. Auf jeden Fall wirkt die tierärztliche Vorgehensweise sofort, was man von einem Dahinsiechen im Terrarium bis zum Tode oder anderweitigen Überlegungen ala Gefriertruhe etc. sicherlich kaum behaupten könnte.

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