Beschreibungen zur Lebensweise der von mir gehaltenen Thamnophis-Arten


Thamnophis elegans terrestris (Küsten-Strumpfbandnatter)

Vorkommen T. e. terrestris

(Die pinkfarbende Markierung links weist auf das begrenzte Verbreitungsgebiet der Thamnophis-Art hin)


In der einschlägigen Literatur findet man durchaus viele Beschreibungen zur Lebensweise von Thamnophis elegans. Zumeist beziehen sich diese jedoch auf die Unterart T. e. vagrans. Im Buch "The Garter Snakes: Evolution and Ecology" (s. Literatur) und auf einigen Internetseiten der US National Fish and Wildlife Foundation habe ich jedoch auch spezifische Informationen zu T. e. terrestris aufgefunden.

Die äußeren Merkmale und vor allem die Färbung dieser Unterart der Wandernden Strumpfbandnatter läßt sich auf Grund der sehr variablen Erscheinung nicht besonders leicht beschreiben. Amerikanische Herpetologen haben eine weitere Abgrenzung nach 'Farbmorphen' vorgenommen. Die von mir gehaltenen Nattern gehören zu dem wohl am schönsten gefärbten Morph v. T. e. terrestris, dem "red morph" (welcher regional und selbst innerhalb eines Wurfes stark variieren kann).

Gleichfalls scheint es keine durchgehende deutsche Bezeichnung für die Nattern zu geben. Da die Bezeichnung Westliche Strumpfbandnatter (gem. Mutschmann 1995) ebenfalls mit anderen Thamnophis-Unterarten belegt wurde, habe ich mich entschlossen die englische Bezeichnung Coast Garter Snake zu verwenden (bzw. zu übersetzen).

T. e. terrestris black morphT. e. terrestris brown morphT. e. terrestris red morph

(die Fotos stammen aus dem Buch "The Garter Snakes: Evolution and Ecology")

Thamnophis elegans wird im Einzelfall bis zu 107 cm lang, die Unterart terrestris bleibt für gewöhnlich etwas kleiner, erreicht aber ebenso wie die bekannteren Unterarten T. e. elegans und T. e. vagrans einen erstaunlichen Umfang. Die rötliche Färbung innerhalb der Unterart tritt in zunehmendem Maße im nördlichen Verbreitungsgebiet auf.

Feldforschungen haben ergeben, das T. e. terrestris aus dem nördlichen Teil des Verbreitungsgebietes einen großen Teil ihrer Ernährung über Nacktschnecken abdeckt, während Tiere aus Inlandpopulationen diese verweigern. Den Literaturquellen ist zu folgendes zu entnehmen: Thamnophis elegans besitzt selbst im Vergleich zu allen (!!) anderen Schlangenarten das breiteste Beutespektrum. Hierzu zählen Fische, Blutegel, Regenwürmer. Amphibien, Echsen, Schlangen, Vögel, Nagetiere, die oben erwähnten Nacktschnecken u.a. Thamnophis elegans ist weiterhin die (zumindest nach den gefunden Angaben) einzige Thamnophis-Art, welche ihre Beutetiere durch Umschlingen fixieren und töten kann.

T. e. terrestris Bild 015Das Vorkommen von T. e. terrestris beschränkt sich auf die feuchte Küstenregion Kaliforniens. Es hat sich aber herausgestellt, das die Nattern in ihrer Lebensweise nicht an permanente Gewässer gebunden sind und durchaus offene Graslandschaften mit Büschen/Sträuchen, welche ihnen Deckung vor Freßfeinden bieten, bevorzugen.

Die klimatischen Verhältnisse im südlicheren Teil des Verbreitungsgebietes zwingen die Tiere nicht zu einer Winterruhe, so das sie meist das gesamte Jahr hindurch aktiv sind. Nattern aus weiter nördlich gelegenem Gebiet sollte jedoch auch im Terrarium eine kühle Winterruhe geboten werden. Kennt man den Ursprungsort seiner Tiere nicht, wartet man einfach deren Verhalten ab. Meine adulten Tiere haben sich bspw. ganz von selbst zurückgezogen und jede ca. dreinmonatige Winterruhe hier unbeschadet überstanden. Ungefähr im August setzen trächtige Weibchen ihre durchschnittlich 7-8 Jungen ab, welche bei der Geburt 17-18 cm lang sind.

Viele Terrianer aus den USA loben Thamnophs elegans als die am leichtesten in Gefangenschaft zu haltende Strumpfbandnatter. Die Tiere gelten generell als gierige Fresser und gut zu handhabende Schlangen.

Über Thamnophis elegans wird hin uns wieder berichtet, das sie auch in Gefangenschaft andere Schlangen als Futter nicht verschmäht. Abgesehen davon, das die Jungtiere bei Fütterungen untereinander sehr aggressiv sein können, sollte man T. elegans nicht mit wesentlich kleineren oder schlankeren anderen Thamnophis- oder Schlangenarten vergesellschaften. Bei regelmäßiger und ausreichender (getrennter!) Fütterung und Beachtung von Größenunterschieden bleiben kannibalistische oder ähnliche Gelüste aus. In diesem Zusammenhang habe ich den festen Eindruck gewonnen, das es unbedingt darauf ankommt, die weiblichen Tiere ausreichend zu ernähren. Ich kann mir gut vorstellen, das lediglich mit ein paar Fischen pro Woche gefütterte Weibchen eher dazu neigen könnten ein kleineres Männchen zu erbeuten. Bei der zügigen Vergesellschaftung frisch importierter Tiere geht man wie auch immer ein beachtliches Risiko ein.

Nach Bissen von T. elegans ist es zu vergleichsweise stärkeren allergischen Reaktionen und Schwellungen beim Menschen gekommen. Eine Gefahr für den Menschen stellen die Nattern aber selbstverständlich nicht dar.

Auf Grund der sehr strengen Beschränkungen im US-Staat Kalifornien wird T. e. terrestris selbst im Herkunftsland recht selten im Terrarium gehalten. Bislang ist diese Unterart nicht als geschützt oder gefährdet eingestuft, wobei einige Lebensräume der starken Industrialisierung bereits zum Opfer gefallen sein dürften. Auf der Halbinsel San Francisco besiedelt T. elegans terrestris zusammen mit T. sirtalis tetrataenia die selben Lebensräume.

T. e. terrestris Bild 064Hinsichtlich der Haltung im Terrarium ist nach meinen Erfahrungen folgendes anzumerken. Weibchen der Küsten-Strumpfbandnatter sind selbst im Vergleich zu den als überaus gierig geltenden Rotseitigen Strumpfbandnattern (T. sirtalis parietalis) wahre 'Fressmaschinen' (und das ist nicht abwertend gemeint!). Nach Eingewöhnung an das Leben im Terrarium werden neben adulten Mäusen selbst große Rattenbabys oder Küken in einem atemberaubenden Tempo verschlungen. Zwei weitere Beobachtungen haben mich erstaunt: adulte Weibchen nutzen selbst stabile Äste im Terrarium kaum zum Klettern, während die Männchen diese ununterbrochen in Beschlag nehmen. Auch reagieren sowohl Männchen als Weibchen wesentlich intensiver auf 'künstlichen Regen aus der Sprühflasche'; sobald die ersten Wassertropfen auf die Terrarieneinrichtung treffen verlassen die Tiere ihre Verstecke und nähern sich der 'Regenquelle', was soweit geht, das sie sich mit aufgestelltem Rumpf und intensiv züngelnd ansprühen lassen (keine andere der von mir gehaltenen Thamnophis-Arten ist derartig 'versessen' auf's Sprühen).

Die Handhabung meiner Küsten-Strumpfbandnattern wird durch das erstaunlich ruhige Temperament der adulten Tiere wesentlich vereinfacht. Jungtiere als auch heranwachsende Exemplare scheinen mir (wieder im Vergleich zu T. sirtalis) ein klein wenig nervöser zu sein. Die erste Nachzucht meiner Küsten-Strumpfbandnattern brachte im übrigen nicht etwa die gemäß Feldforschungen durchschnittlichen 7-8 Jungtiere, sondern gleich 31 (!!) Jungtiere hervor. 20 der 31 Jungtiere fraßen schon nach 3 Tagen Babymausstücken ohne jegliche Verwitterung. Die übrigen Jungtiere konnten ohne größere Probleme mit Tauwurmstücken und Stint zum Fressen animiert werden. Die in der Literatur hin und wieder zu findende Bemerkung, das Jungtiere versuchen würden einander zu verspeisen muss ich zumindest für das Jahr 2006 bestätigen, die strenge Überwachung der Füptterungen ist also unerlässlich. Bei der Futteraufnahme legen die kleinen Küsten-Strumpfbandnattern ein unglaubliches Tempo vor, so das es aber nur sehr selten zu Futterstreitigkeiten kommt. Sollten zwei Jungtiere jedoch um das gleich Stück Futter ringen, empfehle ich unbedingt sofort einzugreifen.

T. e. terrestris Bild 074


weiter zur Beschreibung der Lebensweise von Thamnophis marcianus marcianus


Falls der verwendete Internetbrowser JavaScript nicht unterstützt oder es explizit abgeschaltet wurde, kann am Seitenende vereinfacht auf Sirtalis.de navigiert werden.

Startseite Updates Suche Umfragen Impressum
Natterntalk Artenliste Lebensweise
Anschaffung Fütterung Kotprobe Winterruhe Nachwuchs Probleme
Minis/FAQ's Foto(storys) Video-Clips
Literatur Links eMail-Kontakt Gästebuch