Die Nachzuchten von 2005 - Seite I

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Im Winter 2004/2005 hatte ich meinen Nattern erstmals eine längere Winterruhe von bis zu 82 Tagen ermöglicht und während dieser langen Zeit (die aber doch viel schneller als zuerst befürchtet abgelaufen war) hatte ich natürlich auch ausreichend Gelegenheit zu überlegen, welche meiner Nattern im Jahr 2005 zwecks Vermehrung zusammen kommen könnten. Einige von ihnen (T. atratus atratus, T. sirtalis pickeringii oder T. sirtalis concinnus) waren mit 2 Jahren aus meiner Sicht noch zu jung; diese Tiere sollten in 2005 alle Möglichkeiten für eine weitere optimale Entwicklung bekommen, um sodann ggf. im Folgejahr für Nachwuchs sorgen zu können.

Da die Nachzucht meiner T. cyrtopsis cyrtopsis im letzten Jahr so knapp ausgefallen war, sollten das Weibchen Loopy und die beiden Männchen es in diesem Jahr gleich noch einmal versuchen. Zbornak, eine nunmehr knapp 3 Jahre alte T. elegans terrestris wollte ich mit dem erprobten Männchen Chap zusammenbringen und eher schon ein wenig aus Mitleid wegen jährlichen Wachseier-Ausbildungen sollte auch die betagte Bändernatter Tippse (T. proximus proximus) noch einmal Gelegenheit zur Vervielfältigung bekommen.

Eher skeptisch stand ich von Anfang an den Vermehrungshoffnungen in Bezug auf meine melanistische T. sirtalis sirtalis namens Shooter und der überaus mächtig gebauten Joo (T. sirtalis parietalis mischerbig für Anerythrismus) gegenüber. Und obgleich Shooter sich nach dem Hinzusetzen eines wildfarbigen Männchens nicht wie in den Vorjahren wie eine Verrückte gebärdete, kam es auch in 2005 nicht einmal zur Ablage von Wachseiern (da fragt man sich schon, ob sie vielleicht einfach nur steril ist). Die große und breite Joo bildete genau solche aus, und bestätigte mir damit, das das zu ihr versetzte Männchen Klaus trotz kurzzeitiger redlicher Bemühungen mit ihrer Größe einfach nicht klargekommen sein könnte.

T. p. proximus Bild 044Tippse

115 Tage nach dem Zusammenzug der Tiere lieferte als erste Bändernatter Tippse am 21.06.2005 einen für Bändernattern wohl schon ziemlich ungewöhnlich großen Wurf von insgesamt 24 Jungtieren in ihrem Terrarium ab. Eines der Jungtiere hatte sich nicht aus seiner Eihülle befreien können, ein weiteres war so winzig und schwach, das es wenige Minuten nach der Geburt verstarb. Alle anderen waren jedoch fit und munter. Ich verbrachte die 22 Babyschlangen in ein 30x30x20 cm großes Terrarium und nach nur 6 Tagen begann der Großteil gierig das angebotene Futter (Stint-, Putenherz- und Rattenschnipsel) zu verschlingen. Lediglich drei der kleinen Bändernattern musste ich über lebendige Neonfische ans Fressen bringen. Die übrigen entwickelten gar eine Vorliebe für die Rattenteile bzw. die Putenherzschnipsel – was ich sehr ungewöhnlich für Bändernattern an sich, aber insbesondere für deren Jungtiere fand.

Am 27.07.2005 wunderte ich mich beim Wasserwechsel über die frisch gebackene Mutterschlange Tippse. Für gewöhnlich lockten Störungen irgendwelcher Art sie aus ihrem Versteck oder bewegten sie dazu von ihrem Ast herunter zu kriechen und sich fortan in aufgeregt neugierigem Gebaren um die ins Terrarium eingebrachten Änderungen zu kümmern (dazu reichte schon eine frisch befüllte Wasserschale, welche sogleich untersucht werden musste). An diesem Tag war das nicht so, die durchaus sehr wohlgenährte Tippse guckte aus ihrem Versteck und ließ sich nicht aus der Reserve locken. 30 Minuten später hatte sie sich unter den Spot gelegt um sich zu sonnen und während ich in unmittelbarer Nähe des Terrariums hantierte, verstarb sie ganz unauffällig ohne das geringste Geräusch zu verursachen (für gewöhnlich machen Schlangen eher einen auffälligen Todeskampf durch, als zusammengerollt und sich sonnend einfach so einzuschlafen).

Bei solchen Gelegenheiten plagt einen natürlich immer gleich das eigene Gewissen und man stellt sich viele Fragen: Hätte Tippse überhaupt noch einmal zur Verpaarung gebracht werden dürften? Wäre sie auch gestorben, wenn sie wie in den Vorjahren Wachseier ausgebildet hätte und diese hätte absetzten müssen? Ich wollte Gewissheit und bat meinen Tierarzt noch am gleichen Tag eine Untersuchung vorzunehmen, aber Tippse war tatsächlich sozusagen regulär in einem offenbar recht hohen Alter verstorben. Trotzdem war ich traurig meine ‚artigste’ Bändernatter verloren zu haben und beschloss daher eines der kleinen Weibchen aus Tippse’s Wurf für mich zu behalten.

T. p. proximus Bild 043Eines der drei Jungtiere, welche anfangs auf Lebendfutter bestanden hatten, verstarb am 08.09.2005 nach einer Fütterung mit Zebrabärblingen aus dem Baumarkt und im ersten Moment wollte ich das Ableben der kleinen Schlange schon darauf schieben, das sie möglicherweise eben doch zu spät ans Futter gekommen war, zuwenig davon abbekommen hatte oder auf irgend eine andere Art vielleicht nicht lebensfähig gewesen sein könnte. Wenige Stunden später entdeckte ich jedoch ein weiteres verstorbenes Jungtier aus dem Wurf meiner T. elegans terrestris, welchem ich ebenfalls solch einen Fisch verfüttert hatte. Als schließlich die beiden anderen Bändernatternbabys ihren Baumarkt-Fisch wieder hervorwürgten, wurde mir klar, dass dieser eingekaufte Fisch offenbar nicht in Ordnung gewesen war. Dies bestätigte nur mein Vorurteil, das in solchen Großmärkten eher unverantwortlich mit Medikamenten und Aquarienzusätzen umgegangen werden könnte, als bei gewissenhaften privaten Haltern oder professionellen Zoofachgeschäften.

In den nächsten Wochen musste das Aquarium meines Vaters für die Versorgung der einen, mittlerweile letzten kleinen (und zugleich kleinsten) Bändernatter mit Bedürfnis nach lebendigem Fisch herhalten. Das winzige Jungtier ließ sich einfach nicht auf anderes Futter umstellen. Sobald ich einige Fischstücke vom Stint oder der Forelle mit in die Futterschale legte, wurden diese lediglich im hohen Bogen aussortiert und im ganzen Becken verteilt. So ein hartnäckiges Jungtier war mir bislang echt noch nicht untergekommen! Ich hatte wirklich den Eindruck, dass diese kleine Schlange lieber verhungern würde, als wenigstens mal ersatzweise ein Stückchen toten Fisch oder gar etwas anderes zu fressen.

T. p. proximus Bild 045In der Zeit vom 02.01.2006 bis 20.02.2006 verbrachte ich die zehn zu dieser Zeit noch bei mir befindlichen Jungtiere von 2005 in meinen Keller und ermöglichte ihnen somit eine 49 Tage andauernde Winterruhe, welche sie alle auch problemlos überstanden. Hatte ich erst noch gehofft, dass mein Winzling nun gierig alles futtern würde, was ich anbieten würde, musste ich doch schnell feststellen, dass seine Futtervorlieben über die Winterruhe keinerlei Änderung erfahren hatten. Ich ließ ihn vorerst fast 4 Wochen hungern, musste aber einsehen, dass die von mir angebotenen Alternativen nicht akzeptiert werden würden. Das Aquarium meines Vaters hatte ich mittlerweile beinahe entvölkert und so lief ich alle ein bis zwei Wochen in zwei Zoogeschäfte mit sehr gepflegten Aquarien und kaufte diverse Neonfische oder schlanke Salmler für meinen Zwerg – ein kostspieliges Unterfangen, aber was tut man nicht alles für eine kleine, superfreche Bändernatter ;-).

Das aus Tippse’s Wurf zurückbehaltene Weibchen zog da mittlerweile ganz andere Saiten auf und ignorierte toten Fisch vollständig. Dieses (ebenfalls recht kesse) Nattern-Mädchen bestand auf Nagerteile und fraß diese Woche für Woche brav und vollständig auf. Dieses Fressverhalten bestätigte mir auch ein Käufer einer der Nachzuchten, welcher sich eigentlich auf ein Weibchen gefreut hatte, welches lebendige Fische erbeuten würde – aber seine Natter stand mit Fisch jeglicher Art auf Kriegsfuß. Blieb also eigentlich nur mein Problem mit dem Zwerg, den ich so ja nicht als futterfest auf irgendwas an einen anderen Halter abgeben konnte. Einem Tipp eines befreundeten Natternhalters folgend, hatte ich es immerhin geschafft, das der Zwerg während des Fangens seiner teuren Lieblingsspeise die kleinen Raffy P Stick’s von der Firma Sera (eigentlich ein Schildkröten-/Echsenfutter) mitfraß; bot ich diese jedoch ohne lebendigen Fisch an, wurden sie auch fast immer ignoriert. Und gerade als es nach über einem Jahr Aufzucht zu einer Selbstverständlichkeit geworden war, der kleinen Natter etwas unregelmäßig lebendige Fische zu kaufen, wurde sie am 23.07.2006 bei der Fütterung anderer (ein Jahr jüngerer und trotzdem schon größerer) Jungtiere in den benachbarten Aufzuchtsbecken so unruhig, das ich kurzerhand wieder einmal einen Stint und ein paar Nagerteile aufschnipselte und ins Zwergenbecken stellte. Ich hatte es erst gar nicht mitbekommen, aber nach 20 Minuten guckte mich der Zwerg auf einem Ast liegend mit dick gefülltem Bäuchlein an. Tja, man soll die Hoffnung wohl eigentlich nie (und nicht nur nicht zu früh) aufgeben. Derzeitig frage ich mich natürlich, ob ich mich nun von dem kleinen Frechdachs überhaupt noch werde trennen können…?!

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