Die 'schmollende' Natter

T. p. orarius Bild 023Nach intensiver Suche wurde ich Mitte September 2001 fündig - ich konnte ein Weibchen der nicht gerade häufig angebotenen Bändernattern-Unterart Thamnophis proximus orarius (Golfküsten-Bändernatter) erwerben. Nach erfolgreicher Behandlung gegen Lungenwürmer und Gewebeparasiten setzte ich die Natter in ein kleines Glasterrarium, welches ich mit einigen Kletterästen, Verstecken, Wasserschale und Buchenspänen ausstattete. Diese 'Zwischenquarantäne' führte ich durch, da das Tier sich vor Zusammenzug mit meinem Golfküsten-Bändernattern-Männchen in aller Ruhe häuten sollte, was auch prima klappte. Ich fütterte das Tier nach erfolgreicher Häutung und gab ihr noch 5 Tage bis zum Zusammenzug.

Bevor ich die beiden Nattern zusammenbrachte wurde das 100x50x50 cm große Terrarium, in welchem ich das Männchen schon eine ganze Weile hielt runderneuert, also komplett desinfiziert - inkl. Austausch aller Verstecke und Pflanzen (ich stellte bei der Gelegenheit auf Kunstpflanzen um, da sich die echten oder auch das getrocknete Blattwerk nicht richtig bewährt hatten).

T. p. orarius Bild 025Am 10.11.2001 war es nun endlich soweit, ich ließ die beiden Nattern in ihr künftiges gemeinsames Heim schlüpfen und beobachtete, das sie sich nach kurzem 'ruckartigen' Bewegen (das scheint auf eine Art 'Kennenlernen' hinauszulaufen) gut zu verstehen schienen. Ich knipste ein paar Bilder und ärgerte mich, das die Nattern auf diesen Fotos so 'schräg' aussahen. Das irgend etwas nicht stimmen könnte, bemerkte ich nicht. In der folgenden Woche fütterte ich beide Nattern im Terrarium, was auch hervorragend klappte, es kam weder zu Futterneid, noch zu sonstigem ungestümen Verhalten. Ansonsten bekam ich beide recht wenig zu Gesicht, schließlich mußten sie sich ja auch erst einleben.

Einen Tag nach der zweiten gemeinsamen Fütterung, am 18.11.2001, bemerkte ich nun, das das Weibchen "Wendy", um ihr Maul herum seltsam aussah. Irgend etwas stimmte nicht, das Maul war schlicht und ergreifend schief! Ich beobachtete also das Tier die folgenden Tage weiter, aber am Zustand des Mauls änderte sich nichts. Zwischenzeitlich bot ich Futter an - ich wollte testen, was passieren würde, wenn das Weibchen seinen Kiefer vor der Futteraufnahme ein paar Mal hin- und herbewegte...das tat sie auch, aber das Maul war noch immer schief. Also nahm ich das Futter sofort wieder aus dem Terrarium, was sie dazu veranlaßte hinter der Scheibe nun auf die tatsächliche Fütterung zu warten...welche aber ausblieb.

Am 24.11.2001 wagte ich es und ließ beide futtern. Wieder gab es keine Probleme, beide Nattern fraßen friedlich und ohne Zwischenfälle den angebotenen Fisch. Auch nach dieser Fütterung sah das Maul noch immer schief & krumm aus. Das Problem war, das ich einfach nicht dicht genug an das Tier herankam, um wirklich etwas genaues erkennen zu können.

T. p. orarius Bild 026

T. p. orarius Bild 027Nach Anraten meiner Freunde vom ReptileTopSites-Chat beschloß ich nun das Weibchen gleich am Montag dem Tierarzt zu zeigen. Ich mußte dort sowieso mit meinen kleinen Östlichen Strumpfbandnattern wieder vorstellig werden, um erneute Kotproben untersuchen zu lassen. Also fing ich Wendy ein und setzte sie in eine spartanische Plastebox. Nun konnte ich sie erstmals richtig aus der Nähe betrachten. Das ganze sah weniger nach einer Verrenkung des Kiefers aus, als vielmehr wie eine Entzündung oder dergleichen. Ich vermutete nun, das Wendy sich bei ihrer letzten Fütterung in der 'Einzelhaft' neben ihren Fischen auch ein wenig Buchenspan zum Drauf-herum-Kauen gegönnt hatte. Ärgerlich ist natürlich, das ich am Tag des Zusammenzuges der beiden Nattern nicht so genau darauf geachtet habe, ob alles mit ihnen in Ordnung ist! Aber ich wollte die Sache ruhig und schnell über die Bühne bringen - ein Fehler, wie sich jetzt herausstellte!

Nun, der Tierarzt wird sicherlich problemlos feststellen können, was ihr fehlt. Ich habe Wendy mit einem Wattetupfer das Mäulchen geöffnet, aber nicht besonders viel erkennen können (das wird an der mir zur Verfügung stehenden, eher spärlichen Beleuchtung gelegen haben). Nun bin ich also bald wieder um eine Erfahrung mit meinen 'Anfängerschlangen' reicher und hoffe, das die Entzündung (oder was immer es ist) rasch abklingt.

Nach dem Tierarztbesuch am 26.11.2001

Wendy hat, wie schon vermutet, eine Entzündung im Maul, welche im Prinzip genau an der Stelle lokalisiert wurde, welche sich hervorwölbt. Also am Oberkiefer vorn links (Betrachterseitig). Es ist nichts schlimmes, die erste Behanldung mit einem offenbar aber nur für uns Menschen angenehm riechenden Mittel namens Vibramycin ist erfolgt und wird über die nächsten Tage fortgeführt.

Zu Hause angekommen war Wendy noch etwas betreten, immerhin hatte sie alles bei Dr. Hausemann gegeben - inkl. mehreren kleinen Beißerein in seine Hand (gut das sie sich beim Tierarzt austobt ;-)). Auf jeden Fall ist die Schwellung bereits ein wenig zurückgegangen, also wird wohl alles gut gehen.

Interessant finde ich an dieser Stelle nur, das auch Fredi, mein Thamnophis marcianus marcianus-Männchen beim Zuzug des Weibchens Marcy damals die selben Symptome zeigte ... direkt beim Zusammenzug ruckartiges (Roboter) Bewegen über einige wenige Minuten mit kurz darauf folgender Maulinfektion. Kann ich davon ausgehen, das die Nattern bei Vergesellschaftung (auch mit eigener Unterart) derartig sensibel reagieren oder handelt es sich um einen Zufall? Nun, irgendwann kriege auch das noch raus!

Erneuter Tierarztbesuch am 05.12.2001

Leider hat sich in den vergangenen 10 Tagen nichts getan, Wendys Maul sieht unverändert aus. Also geht es noch einmal zum Tierarzt. Da Wendy in den letzten Wochen einiges durchmachen mußte (inkl. Überwindung des Lungenwürmer- und Gewebeparasitenbefalls) erhält sie eine Vitamnin C-Injektion. Das Maul wird nun in den kommenden Tagen von mir mit dem Medikament Baytril behandelt werden. Ich hoffe, das es ihr bald besser gehen wird. Etwas Futter hatte sie bereits wieder angenommen!nach oben

Ergänzung vom 27.01.2002

T. p. orarius Bild 028Nachdem Wendy also innerhalb von drei Wochen in den 'Genuß' von zwei unterschiedlichen Medikamenten gekommen war, dachte ich mir das es eine gute Idee sei, sie ersteinmal in Ruhe zu lassen. Ich überführte sie wieder in das große Terrarium und schon nach einigen Stunden lag sie wie gehabt entspannt auf einem Kletterast. Auch die Fütterungen in der Folgezeit nahm sie ohne Hürden auf sich. Alles war perfekt - mit Ausnahme ihres Mauls! Ich selbst hatte zwar den Eindruck, das die Entzündung bereits leicht abgeklungen war, aber das Maul war immer noch etwas schief.

Am 18.01.2002 fing ich sie mit einer schwungvollen Bewegung vom Ast, steckte sie in eine Transportbox und fuhr zum Tierarzt. Kaum das er ihr Maul vorsichtig geöffnet hatte, blutete es bereits etwas...die Entzündung hatte sich weiter ausgebreitet (anstatt zurückzugehen). Daher stammt vermutlich auch mein Eindruck, das es besser geworden war - nun war das Maul schließlich insgesamt geschwollen. Wendy bekam also zur Begrüßung gleich eine Baytril-Spritze und ich die Auflage ihr täglich morgens puren Zitronensaft und abends Baytril ins Maul zu geben. Der pure Horror für mich! Hatte ich mich bei den letzten Medikamentengaben doch schon sehr darüber geärgert, das mittels Wattetupfer die Verteilung im Maul der Natter äußerst schwierig war und sie abschließend meist noch hektisch darauf herumbiss.

T. p. orarius Bild 029Also fragte ich den Tierarzt, ob ich die neue Behandlung nicht mittels eines kleinen weichen Pinsels vornehmen könnte, was er stark befürwortete. Gefragt - gesagt - getan! Seit etwas über einer Woche erhält Wendy nun also täglich ihre Pinsel-Streicheleinheiten. Ich finde es interessant das sie der Geschmack des Zitronensaftes weniger zu stören scheint, als die pure Chemie in Form des Medikaments Baytril. Vielleicht liegt es auch einfach nur daran, das sie kurz nach dem 'Aufwachen' noch mehr über sich ergehen lassen mag als abends.

Einen kleinen Fortschritt gibt es übrigens schon! Mittlerweile blutet im Maul nichts mehr wenn ich es öffne, also bin ich mal wieder guter Hoffung, das wir das bald überstanden haben werden. Mit einem Rückzug nach der Genesung ins große Terrarium werde ich lieber warten. Ich hatte den Eindruck , das Wendy Ende Dezember/Anfang Januar ihren Mitbewohner, den Proximan, durchaus zwecks Vermehrung ins Visier genommen hatte - nun er war durchgängig desinteressiert, was in Anbetracht ihrer nicht enden wollenden Maulentzündung auch besser so ist....ist wohl überall das Gleiche: Manchmal wissen andere halt ganz genau, was besser ist für einen ;-).

Ergänzung vom 04.02.2002

Nun, die Kosten steigen! Aber Wendy muß schließlich zu helfen sein! Nachdem am vergangenen Freitag die Baytril-Gabe mangels Medizinvorrat eingestellt wurde ließ ich ihr zwei Tage zwecks Erholung und hoffte, das nun weitere sichtbare Fortschritte eintreten würden. Leider ergab sich nichts Erfreuliches. Wendys Maul sah noch immer geschwollen aus und Futter hatte sie auch keins annehmen wollen. So machte ich mich also erneut auf zum Tierarzt. Auch er konnte keine Besserung diagnostizieren. Er entfernte per Pinzette abgestorbenes Fleisch und verkrustetes Blut aus dem Oberkiefer der Natter und gab ihr eine Injektion (bei der nächsten Kontrolle muß ich nochmal nachfragen um welches Medikament es sich hierbei handelte...). Auf jeden Fall darf ich sie vorerst in Ruhe lassen, d.h. sie wird nun von mir kein Medikament verabreicht bekommen, schließlich soll sie die ganze Sache ja überleben! Damit sie sich etwas wohler wohler fühlt, habe ich ihr die Faunabox ein wenig 'wohnlicher' eingerichtet: sie hat einen Kletterast, Waldboden-Überstreu (Vitakraft) und zwei Verstecke zur obligatorischen Wasserschale in ihr Quartier bekommen. Futter darf sie vorerst nicht angeboten bekommen, so das kein Problem aus dem locker-flockigen Substrat in ihrem Quartier entsehen kann. Noch in dieser Woche, nämlich am 09.02.2002 wird sie erneut vom Tierarzt begutachtet.

Um auszuschließen, das sie auf Grund ihres Maul-Problems weitere Schwierigkeiten bekommen könnte, habe ich eine Kotprobe untersuchen lassen. Nun, wenigstens war das Resultat dieser Kotprobe sehr zufriedenstellend. Kotproben sollte man unbedingt regelmäßig untersuchen lassen. Recht einfach und mit ausführlicher Erläuterung funktioniert das ganze über Exomed.

Update vom 09.03.2002

Eigentlich stand für den heutigen Tag die Fahrt nach Hamm (große Terraristik-Börse) an. Dummerweise dachte ich, dem genutzen Routenplaner Glauben schenken zu können - und habe mich derartig schlimm verfahren, das ich erst 50 Minuten nach dem vereinbarten Termin zwecks Umsteigen & Losbrausen angekommen war. Um das unmöglich frühe Aufstehen nicht ganz umsonst auf mich genommen zu haben, beschloß ich den Tierarzt mal wieder zu besuchen...

In den letzten Wochen habe ich die arme Wendy ununterbrochen behandelt, ohne das auch nur die geringste Besserung zu erkennen gewesen wäre. Als mein Tierarzt mich vor 14 Tagen beauftragte ihr täglich das abgestorbene Gewebe aus dem Mäulchen zu zupfen, wurde mir schon ganz mulmig...und das nicht ohne Grund: Während das erste "Zupfen" noch recht erfolgreich verlief, blutete Wendy am zweiten Tag wie verrückt aus dem Maul, als ich loslegen wollte. Ich behandelte sie also ohne diese Maßnahme weiter (erneut mit Baytril) und wunderte mich nur, das sie trotz der täglichen Behelligung noch immer neugierig unter dem Küchenpapier hervorlugte und sogar wieder regelmäßig Futter aufnahm. Gerade gestern erst hatte ich festgestellt, das sich die Schwellung an der rechten Maulseite etwas zurückbildete, dafür sah die linke nach wie vor schrecklich dick aus.

Ich betrat also das Behandlungszimmer beim Tierarzt und stellte Wendy als "die neue Mitbewohnerin der Praxisgemeinschaft" vor. Nach eingehender Untersuchung stimmte Dr. Hausemann mir zu, das es an der Zeit wäre die bereits vier Monate anhaltenden Schwellungen und Entzündungen im Natternmäulchen endgültig zu beheben. Zu diesem Zweck wird Wendy nun also ein paar Tage tatsächlich in der Tierarztpraxis leben und dem Erfolg von stetiger Behandlung hoffentlich nicht länger widerstehen können.

Leider hat meine Wendy es nicht geschafft. Nachdem sich der Zustand Ihres Mäulchens gebessert hatte, was sich insoweit bemerkbar machte, als das es sich nicht ständig neu entzündete, aber immer noch furchtbar aussah, stellte sich vermutlich bedingt durch den übermäßigen Streß, ein massiver Vitamin B Mangel ein, welcher sie weiter schwächte. In der Woche vor Ostern 2002 ist sie in der Tierarztpraxis verstorben :-(.

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