Winterurlaub für Bändernattern

Als am 21.12.2001 in Berlin die Schneeflocken in ganzen Scharen herabrieselten, bekamen das meine beiden Westlichen Bändernattern Tippse und Spirelli, welche ein Terrarium in meinem Büro bewohnen, nur noch am Rande mit. Schließlich hatte ich diesen Tag fest für den Beginn der Winterruhe eingeplant.

Ich selbst habe in der mir bekannten Literatur als auch im Internet nur relativ allgemein gehaltene Informationen zur Duchführung einer 'ordentlichen' Winterruhe gefunden. Am liebsten hätte ich eine Schritt-für-Schritt-Anleitung gefunden, denn die Durchführung einer Winterruhe bedeutet immer ein Risiko. Hin und wieder habe ich gelesen, das auch gesund erscheinende Tiere eine Winterruhe nicht überstanden haben. Ich möchte doch stark hoffen, das sie meinen Nattern wohltut und Ihnen die Möglichkeit gibt ihren natürlichen Rythmus einzuhalten. Ich berichte hier also wie ich meine beiden Bändernattern auf ihre kalte Erholungsphase vorbereitet habe und unter welchen Bedingungen die Winterruhe durchgefuhrt wurde.

Wichtig war mir natürlich einen Ort zu finden, an welchem Temperaturen ohne große Schwankungen vorherrschten und es weder zu warm (also unbedingt wenigstens unter 14-15 °C) oder zu kalt (über 5 °C) sein würde. Neben dem Keller bei mir zu Hause bot sich hier ein leerstehendes Räumchen in unserem Büro an, welches früher einmal eine Toilette gewesen war. Dieser Raum war perfekt, das Fenster konnte ich einfach mit einem großen Pappkarton verdecken, so das es hier wirklich stockfinster war.

Ende November/Anfang Dezember 2001 stellte ich fest, das insbesondere Spirelli, das Männchen, sich kaum noch zeigte. Er verbrachte viel Zeit im Versteck und verließ dieses lediglich nach einer ungewöhnlich langen Wartezeit zu den jeweiligen Fütterungen. Das Weibchen Tippse war nur unwesentlich ruhiger geworden, sonnte sich oft und konnte beinahe den gesamten Tag im Terrarium beobachtet werden.

Bei den beiden Nattern handelt es sich um wildgefangene Tiere, welche vermutlich aus der Golfküstenregion der USA stammten. Die Temperaturen liegen dort während der Wintermonate zwar durchaus etwas höher als hier, aber ich beschloß die beiden noch etwas zu beobachten und ihnen alsbald eine Winterruhe zu ermöglichen. Beide Nattern hatten sich wenige Wochen zuvor einwandfrei gehäutet und machten allgemein einen gesunden Eindruck.

Am 06.12.2001, zum Nikolaustag, durften die beiden Nattern noch einmal futtern. Spirelli hielt sich wie bei den letzten Malen eher bedeckt und Tippse krachte sich richtiggehend futtertechnisch voll. Zu dieser Zeit betrug die Beleuchtungs- und Beheizungsdauer im Terrarium 12 Stunden, die Temperaturen betrugen tags ca. 26 °C, nachts mindestens 18 °C.

In der Folgezeit ließ ich die beiden Nattern in Ruhe, lediglich erfolgten regelmäßiger Wasserwechsel und Reinigungen im Terrarium. Um sicher zu gehen, das es im vorgesehen Raum des Winterquartiers nicht zu kalt oder warm sein würde, nahm ich des öfteren Messungen hier vor. Die Temperaturen betrugen zwischen 9 und knapp 12 °C, die Luftfeuchte lag zwischen 42 und 55%. Tippse und Spirelli hatten jedoch selbstverständlich eine volle Woche lang noch die Gelegenheit die molligen Temperaturen in ihrem Terrarium zu genießen.

Am 15.12.2001 begann ich damit die Beleuchtungsdauer um 2 Stunden zu verkürzen, am 17.12.2001 schaltete ich die Heizmatte, welche rückseitig ans Terrarium geklebt ist, ab und reduzierte die Beleuchtung um weitere 2 Stunden. Am kommenden Tag badete ich beide Nattern 25 Minuten lang im lauwarmen Wasser, um sie zu animieren ggf. nochmals zu koten. Nun, die beiden hatten offenbar bereits das Futter von vor knapp 14 Tagen restlos verdaut und waren von meiner Badeaktion eher wenig begeistert. Über den Tag betrugen die Temperaturen im Terrarium nun 19 - 21 °C. Die Luftfeuchtewerte waren steil gesunken und betrugen teilweise nur noch 30 %. Um den Tieren nicht den Eindruck eines herannahehenden Frühlings vorzutäuschen verzichtete ich in den kommenden Tagen auf das Besprühen der Kunstpflanzen im Terrarium.

Bis zum 20.12.2001 hatte ich die Beleuchtung auf eine Dauer von 2 Stunden herunterreguliert und stellte zusätzlich die Raumheizung ab. Am nächsten Morgen konnte ich 17 °C im Terrarium messen. Beide Nattern lagen im Versteck und ließen sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Zuerst entfernte ich die künstlichen Pflanzen aus dem Terrarium (um Platz für meine Eingriffe zu schaffen) und schüttete anschließend auf die Buchenspäne etwas Waldboden-Überstreu (Hersteller: Vitakraft). Dieses Substrat scheint mir für Winterruhe-Zwecke überaus geeignet, für einen dauerhaften Einsatz kommt es mir jedoch zu weich und flockig vor (außerdem kriegt man es leider nicht geschenkt). Den Bereich des Hauptversteckes der beiden Nattern, ein großes Stück Korkrinde, belegte und umrahmte ich mit einigen Lagen Terrarienmoos. Dieses Moos hatte ich am Vorabend abgebrüht und abtropfen lassen. Zur Mittagszeit am 21.12.2001 war es noch immer sehr feucht. Als Trink-/Badeschale spendierte ich den beiden Tieren einen nur 5 cm hohen Blumenuntersetzer mit einem Durchmesser von 20 cm.

Hatte Tippse an den Vortagen doch immer wieder neugierig aus dem Versteck geguckt (und vielleicht auf besseres Wetter gehofft), war nun weder sie noch Spirelli zu sehen. Das Terrarium wurde also in den kalten Raum gebracht, ein Temperatur-/Luftfeuchtemesser hineingestellt und das Licht ausgeknipst. Nach einiger Zeit schmulte ich in den Raum, um zu sehen wie sich die Werte auf dem Meßgerät verändert hatten, und stellte erleichtert fest, das die Luftfeuchte bis auf 68 % gestiegen war. Dies ist dem Moos zuzuschreiben, da es die Feuchtigkeit wirklich hervorragend speichert. Die Temperatur am ersten Tag der Winterruhe betrug am frühen Nachmittag 10,4 °C - ein durchaus angebrachter Wert.

Winterruhe-Quartier BildErstaunlicher Weise blieb Tippse im dunklen und kalten Terrarium nicht in ihrem Versteck, sondern legte sich ganz nach oben auf die Kletteräste, was mir auch recht war. Um sicherzustellen, das die Tiere nicht erfrieren, stellte ich die Heizung auf Frostschutz ein. Ich konnte mir zwar nicht vorstellen, das es hier zu Einfrierungen kommen könnte, aber sicher ist sicher! Ein bisschen unbeholfen und nicht ganz frei von Sorgen war ich bei all dem natürlich durchaus! Am kommenden Montag, dem 24.12.2001 würde ich erst das nächste Mal wieder nach den beiden schauen können. Etwas schweren Herzens fuhr ich also nach Hause und versuchte nicht an meine beiden Bändernattern im Winterurlaub zu denken.

Am 24.12.2001 (wieder schneite es draußen wie verrückt) konnte ich also endlich wieder nach den Nattern sehen. Gegen 10:30 Uhr vormittags betrug die Temperatur 9,5 °C, die Luftfeuchte 55%. Mit diesen Werten war ich zufrieden. Tippse hatte sich offenbar für den Platz auf den Ästen entschieden, selbst als ich ungeschickt beim Wasserwechsel gegen die Äste stieß, bewegte sie nur minimal ihr Köpfchen. Spirelli hingegen bekam ich nicht zu Gesicht. Ich wollte aber auch am 3. Tag der Winterruhe nicht sofort das Terraium umgraben, nur um sicher zu gehen, das es Spirelli noch gab (wo sollte er auch hingekrochen sein..?). Ich nahm mich also zusammen und ließ die beiden wieder in Ruhe.


Weckdienst per 28.01.2002

Die ursprünglich wenigstens eine Woche länger geplante Winterruhe wurde ab dem 28.01.2002 langsam beendet. Durch die milden Außen-Temperaturen waren die Werte im Winterruhe-Quartier bereits auf knappe 14 °C angestiegen - eine deutliche Erhöhung zu den vorher bestehenden Verhältnissen (9-11 °C). Kaum das ich den Heizkörper im Winterruhe-Quartier auf Stufe 1 gestellt hatte, konnte ich Tippse & Spirelli auch schon auf den Ästen ruhend (und offenbar auf sowas wie einen Sonnenstrahl wartend) beobachten. In den kommenden Tagen entfernte ich stundenweise die vor das Fenster geklemmte Pappe für jeweils zwei Stunden länger, so das den beiden Nattern eine langsame Gewöhnung an bessere Zeiten beschert werden konnte.

Am Freitag, dem 01.02.2002 war es dann soweit. Das Terrarium wurde an seinen alten Platz gestellt, und neben einer 8 stündigen Beleuchtung schaltete ich ebenfalls die Heizmatte wieder zu. Das war eine Freude! Tippse & Spirelli hatten offenbar auf garnichts anderes gewartet! Aktiv wie nie zuvor glitten sie über die Äste, die Korkrinde, die (nun wieder größere) Wasserschale und natürlich das heißgeliebte Metall-Lochblech. Selbst Spirelli, der bislang immer recht zurückhaltend und fluchtfreudig reagiert hatte, ließ sich durch nichts abhalten und sonnte sich nach reichlichem Geturne den restlichen Tag herrlich auf einem Ast. Tippse, schaute immer wieder aus dem Terrarium (was sie gerne tut, vor allem wenn der 'kleine Hunger' wieder kommt) und preßte sich die Hälfte der Zeit an die Heizmatte (was ziemlich 'lustig' aussah).

Ob die beiden Nattern sich nun noch schnell häuten würden, konnte ich am Freitag nicht ausmachen - also werde ich sie am Montag genau betrachten und wenns klappt auch ein paar Bilder von ihnen knipsen. Für Dienstag, den 05.02.2002 habe ich die erste Fütterung geplant, welche (falls mich nicht plötzlich doch vier bläuliche Äuglein angucken) ganz sicher ein voller Erfolg wird. Immerhin liegt die letzte Fütterung dann genau 60 Tage zurück.

Nun, in Sachen Häutung haben mich auch knapp 14 Tage nach dem Erwecken der beiden Nattern keine Überraschungen ereilt. Das erste Futter wurde mit großer 'Begeisterung' angenommen und anschließend sonnten sich die zwei ausgiebig. Insbesondere Tippse drückte sich mit Vorliebe an die rückseitige Heizmatte und Spirelli entspannte sich anschließend in seinem Versteck.


Nachtrag vom 18.01.2003/wichtiger Hinweis

Bei der in diesem Jahr durchgeführten Winterruhe begann das in einige Boxen eingebrachte Moos nach vier Wochen zu schimmeln. Insoweit rate ich davon ab es zu verwenden. Jürgen Chlebowy empfiehlt in einem seiner Foren, insoweit es erforderlich wird eine höhere Feuchte zu erzeugen, auf Vermiculit (gemischt mit dem übrigen Substrat) auszuweichen. Vermiculit kommt gewöhnlicherweise zum Einsatz, wenn z.B. Reptilien-Eier im Inkubator ausgebrütet werden sollen. Dieses Substrat neigt deutlich weniger zu Schimmelbildung und läßt sich sicher besser auf längere Dauer befeuchten.


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