Marcy & Fredi im Winterurlaub

Nachdem ich damit begonnen hatte die Vorbereitungen für die Winterruhe meiner beiden Thamnophis proximus proximus einzuleiten, kam ich auf den Gedanken, das auch meinen karierten Strumpfbandnattern Marcy & Fredi eine Winterruhe gut bekommen könnte. Ich begann also in meinem Keller die Temperaturen zu messen und stellte fest, das sich diese im Rahmen zwischen 11 und 12,6 °C bewegten, also für diese Thamnophis-Unterart recht geeignet sein könnten. Thamnophis m. marcianus hat ein sehr großes Verbreitungsgebiet und es ist davon auszugehen, das die Nattern in ihrem natürlichen Lebensraum zumindest eine kurze Winterruhe einlegen. Nun genau das wollte ich meinen beiden 'Feiglingen' auch zukommen lassen.

Ich fütterte die beiden Nattern am 09.12.2001 und betrieb das Terrarium wie gehabt bei einer Beleuchtungsdauer von 11,5 Stunden, 22-27 °C tags, ca. 20 °C nachts und Luftfeuchtewerten um die 50%. Bei diesen beiden Tieren kann ich nicht behaupten, das sie sich merklich zurückgezogen hatten in den letzten Wochen, ihren Spitznamen 'Feiglinge' haben sie, weil sie sich nur sehr selten zeigten und ihr Leben im Terrarium eher im hinteren (weniger gut einzusehenden) Teil des Terrariums verbracht haben.

Nun, wie auch immer, am 20.12.2001 reduzierte ich die Beleuchtung auf 10 Stunden, einen Tag später auf 8 und am 22.12.2001 auf 6. Einen Tag später hatte ich mir vorgenommen die beiden im lauwarmen Wasser zu baden, was ich auch tat. Ich kann nur sagen: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt... Fredi, das Männchen steckte mitten in der Häutung und Marcy kotete die mit Wasser gefüllte Faunabox ordentlich voll. Ganz offensichtlich war ich also etwas zu schnell vorgegangen, der Plan die beiden am 26./27.12.2001 in den Keller zu überführen war geplatzt!

Ich beschloß also das ganze etwas ruhiger anzugehen und vor allem erst einmal Fredis Häutung abzuwarten. Wenigstens Marcy würde mich nicht mit trüben Augen überraschen, ihre letzte Häutung hatte sie am 05.12.2001 problemlos hinter sich gebracht. Nach dem Bad, welches den beiden scheinbar doch ein wenig gefallen hatte, waren die Nattern ziemlich aufgekratzt und erst am nächsten Tag fanden sie erneut zu ihrem üblichen, zurückgezogenen Lebenswandel. Derzeitig läuft das Terrarium lediglich mit 6-stündiger Beleuchtung, jedoch ansonsten mit den gewohnten Temperaturen.

Faunabox Bild 01Am Morgen des 29.12.2001 war es nun endlich soweit. Fredi hatte sich gehäutet und ich reduzierte die Beleuchtung noch für den selben Tag auf 3 Stunden, am kommenden Tag kürzte ich die Beleuchtung um eine weitere Stunde und schaltete die Raumheizung ab. Nun konnte ich die Behältnisse für die Überwinterung vorbereiten. Ich benutzte die handelsüblichen Faunaboxen (ungefähre Abmaße: L: 40 cm, B: 30 cm, H: 20 cm). Als erstes legte ich eine doppelte Lage Küchenpapier in die Boxen.Faunabox Bild 02 Auf diese schüttete ich circa 7 cm hoch die Waldboden-Überstreu (Vitakraft). Die nächste 'Lage' bestand aus 5-7 cm Terrarienmoos (welches ich zwei Tage zuvor heiß abgebrüht hatte). Dieses Moos war auch nach zwei Tagen noch wunderbar feucht. Hinzu kam ein Korkrindenversteck und schließlich ein Wasserbehältnis. Das Wasserbehältnis stellte ich so in die Boxen, das es für mich jederzeit leicht zu erreichen sein sollte, denn ich wollte keine im Hauskeller ausgebrochene Natter riskieren. Den Deckel der Faunaboxen würde ich zusätzlich mit einem schweren Gegenstand beschweren, denn ich war mir nicht sicher, ob meine beiden 'Feiglinge' nicht doch kräftig genug sein könnten, diesen etwas hochzudrücken. Nun war alles vorbereitet und am Neujahrstag sollten die beiden ihre Boxen zwecks Winterruhe beziehen. Die beiden karierten Strumpfbandnattern hatten sich derweil vollständig zurückgezogen und waren überhaupt nicht mehr zu sehen - ganz offenbar hatten sie bemerkt, das die äußeren Gegebenheiten auf eine deutlich kühlere Periode hindeuteten.

Faunabox Bild 03Faunabox Bild 04


Jeder Urlaub geht zu Ende! (27.01.2002)

Winterquartier Bild 05Nun, eigentlich hatte ich im Rahmen meiner Planungen gedacht, die beiden Nattern bis zum 05.02.2002 im Keller zu belassen und sie anschließend wieder langsam zu erwärmen. Die Temperaturen draußen, welche jedoch in der vierten Überwinterungswoche plötzlich in den Plusbereich um 10°C schnellten, haben das einfach mal vereitelt! Denn mit diesem massiven Temperaturanstieg in der freien Natur (also Berlin) stiegen auch die Temperaturen in meinem Hauskeller von bis dato max. 10,5 - 11,6 °C rasant auf mindestens 13,5 °C an.

Ich versicherte mich noch einmal, das eine Beendigung der Winterruhe jetzt nicht schädlich für die beiden Nattern sein würde und plante alles um. Immerhin hatten die beiden vier Wochen lang im Hauskeller gelebt. Im Vorfeld ihres Abstieges dorthin hatte ich sie lange genug in der Wohnung 'frieren' und hungern lassen. Spannend war es schon: Würden sie tatsächlich begreifen, das es nun wieder aufwärts ging?

Ich machte mich am 27.01.2002 also auf (bzw. eher ab) in den Keller und staunte nicht schlecht, das mein Fredi, der als ich eintraf lediglich per Schwanzende auszumachen gewesen war, plötzlich zu mir schaute! Also war er vielleicht auch nicht ganz unbeeindruckt vom eingetretenen Temperatursprung und fieberte gegebenfalls bereits seinem ordentlichen Zuhause entgegen? Marcy war zwar nicht zu sehen, aber das muß man einfach so sehen: Sie ist halt eine ganz konsequente Natter!

Winterquartier Bild 06Tja, der 27.01.2002 war ein Sonntag - und was gibt es schöneres am Sonntag als ein Terrarium wiederherzurichten. Also lud ich mir die Buchenspäne auf den Rücken und stellte das alte Daheim meiner beiden Karierten Strumpfbandnattern wieder (allerdings etwas verändert) her. Nachdem es dunkel geworden war, holte ich die beiden Winterruhe-Boxen in die Wohnung und stellte sie im Flur ab. Ich hatte extra die Fenster aufgerissen und konnte den beiden somit eine langsame Gewöhnung ans Warme ermöglichen. Im Flur waren es nun lediglich 16 °C und ich würde einfach in der kommenden Nacht und morgen am Montag ein entfernteres Fenster angeklappt lassen, damit frische, kühlere Luft zu den beiden Boxen geraten könnte. Was hatte ich doch, kaum das die beiden wieder bei mir waren, für eine große Freude an ihnen! Fredi guckte nun zur anderen Seite der Faunabox heraus, während ich Marcy erst durch Rascheln in der Bodenstreu dazu animieren mußte, sich mal zu zeigen. Auf jeden Fall waren sie beide noch lebendig und scheinbar auch schon etwas munter! Ich kam nicht umhin Marcy aus der Box zu nehmen, die sich vermutlich wärmesuchend sofort um meine Hand schmiegte. Was sah sie doch insgesamt klein aus. Damit meine ich nicht etwa dünn oder gar abgemagert - sie kam mir so 'kurz' vor! Na, wenn alles klappt mit den beiden werden sie in ein paar Monaten sicher weniger 'kurz' aussehen! Natürlich erneurte ich bei dieser Gelegenheit gleich ihr Trinkwasser und ließ sie anschließend wieder in Ruhe.

Meine weitere Planung ist die folgende:

Ab 29.01.2002 lasse ich Licht an die Faunaboxen und einen Tag später setzte ich die Tiere abends in ihr Terrarium zurück. Die Zimmerheizung bleibt vorerst ausgeschaltet und ich erhöhe ab Mittwoch, dem 30.01.2002 die Beleuchtungsdauer um jeweils 2 bis 2,5 Stunden, so das ich per 04.02.2002 (Montag) wieder bei den 'gewünschten' Beleuchtungszeiten und Temperaturen angekommen sein müßte. Inzwischen werde ich schauen, ob sich eine Häutung anbahnt und je nach dem das erste Futter anbieten. Anfangs werde ich etwas häufiger als gewöhnlich (das heißt zweimal je Woche) 'Frühling spielen', indem ich das Terrarium ganz leicht mit kleinen Nieselregenfällen aus der Sprühflasche behandle. Ich bin extrem neugierig, wie die beiden Nattern sich in den kommenden 14 Tagen einleben und benehmen werden.

Am 05.02.2002 habe ich den beiden karierten Strumpfbandnattern das erste Futter nach der kühlen Phase angeboten. Ich hatte mich entschlossen die beiden künftig gegen Abend in der Futterbox zu bedienen, was von Marcy auch hervorragend angenommen wurde. Sie genehmigte sich sogleich eine große Babymaus und 1,5 Riesen-Stinte. Fredi machte lediglich Dummheiten und war am Futter mal wieder nicht interessiert - seine Angewohnheit nur bei ganz dringendem Bedarf Nahrung aufzunehmen scheint sich also durchgesetzt zu haben. Hinsichtlich der Temperaturen und Beleuchtungszeiten war ich etwas zu forsch gewesen. Das Terrarium im Februar bei 11,5 stündiger Beleuchtung laufen zu lassen und zusätzlich noch mittels einer 60 Watt Basking Lamp Temperaturen zu erzeugen, wie sie vielleicht einem tropischen Reptil gerade recht wären, hatte nur den Effekt, das die beiden Nattern sich flugs möglichst weit weg vom Spot unter die Korkrinde begaben.
Mittlerweile habe ich die Basking Lamp gegen eine 40 Watt Ausführung getauscht und die Beleuchtung auf etwas über 8 Stunden eingestellt. Und siehe da: Gleich am nächsten Tag schauten gegen Mittag zwei superhübsche Näschen aus dem Versteck heraus!

Ich habe sicherheitshalber von den beiden Nattern Kotproben untersuchen lassen (Exomed erledigt das auch per Post), welche zu meiner vollsten Zufriedenheit ausgewertet werden konnten.

Bitte lest auch meinen Hinweis zur Verwendung von Terrarien-Moos im Winterruhe-Behältnis.


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